Vom Einzelbüro zur neuen Arbeitskultur: Silent Boxes und Multispace-Raum zum Ausprobieren, Testen und Mitgestalten
Es tut sich was im Gebäude in der Fahrenheitstraße 6. Wer das Foyer des ZMT durch den Haupteingang betritt, sieht auf der rechten Seite einen großen schwarzen Kasten mit langen Fensterfronten, einem Tisch und zwei Bänken im Inneren. Drinnen finden bequem vier Personen Platz, um sich von außen ungestört und ungehört zu Gesprächen zusammenzusetzen. Irgendwie spacig, die neuen Kabinen, manchmal werden sie Office-Pods genannt. Auf dem Weg in die Zukunft geht es weiter in den ersten Stock des Hauptgebäudes. Der Raum 1101 ist der neue „Multispace“ des ZMT. Auch hier haben zwei schalldichte Kabinen für zwei und vier Personen ihren Platz gefunden. Zusätzlich ist der Raum ausgestattet mit fünf größtenteils in der Höhe verstellbaren Schreibtischen für das Arbeiten im Stehen. An die großen Monitore auf den Tischen kann das Laptop angedockt werden, dann noch bequeme Bürostühle, warme Farben und etwas Grün. Fertig ist… nein nicht die Laube, sondern ein Raum, der mehr ist als ein zusätzliches Büro. Hier ist ein Vorgeschmack auf die Arbeitswelt neuen ZMT entstanden.
Die Idee dahinter: Mitarbeitende sollen vor dem Einzug in das zukünftige ZMT-Gebäude schon jetzt die Möglichkeit erhalten, in einer Umgebung zu arbeiten, die dem neuen Konzept möglichst nahekommt. Auch in der dritten Etage des Gebäudes in der Wiener Straße 7 steht inzwischen eine Silent Box. „Wir wollen den Kolleginnen und Kollegen zeigen, wie wir zukünftig im Neubau arbeiten werden“, erklärt Christian Brandt, der den Raum zusammen mit Stéphane Mehat in den vergangenen Wochen vorbereitet und ausgestattet hat.

Flexibel arbeiten, gemeinsam gestalten
Seit Mitte März ist Raum 1101 nun für alle geöffnet – zum Ausprobieren, Testen und Mitgestalten. Wer möchte, kann hier für ein paar Stunden arbeiten oder auch mehrere Tage bleiben, sofern Plätze frei sind. Darin liegt ein wichtiger Unterschied zum bisherigen Modell: Es gibt keine festen Zuordnungen mehr, sondern eine flexible Nutzung. Das Arbeiten wird dadurch dynamischer – und auch ein Stück weit unvorhersehbarer. „Ich komme hierher und weiß vielleicht gar nicht, mit wem ich heute zusammenarbeite“, beschreibt Nicolas Dittert den Charakter des Raums. Am ZMT ist der kaufmännische Geschäftsführer für alle Belange in Sachen Neubau zuständig. Gerade dieses Moment des Zufälligen schaffe neue Begegnungen und eröffne andere Formen der Zusammenarbeit, so Dittert.
Mit einem zeitlichen Vorlauf von rund zweieinhalb Jahren bis zur Finalisierung des Neubaus bietet sich nun die Chance für die Mitarbeitenden, Dinge auszuprobieren, zu verwerfen und neu zu denken. Die neuen Arbeitsplätze und Kabinen als Rückzugsorte für Telefonate, Videokonferenzen oder konzentriertes Arbeiten müssen sich im Alltag bewähren. „Was brauchen wir eigentlich, um gut arbeiten zu können?“, ist eine der zentralen Fragen, die beantwortet werden soll.
Dabei geht es nicht nur um Möbel oder Technik, sondern vor allem um das Miteinander. Denn wo viele Menschen flexibel zusammenarbeiten, braucht es neue Spielregeln. Themen wie Lautstärke, Verhalten im Raum oder Rücksichtnahme werden plötzlich wichtiger. „Macht es Sinn, dass hier permanent jemand in seiner Brötchentüte raschelt oder mit dem Joghurtglas klimpert?“, fragt Dittert. Auch der Umgang mit Gesprächen oder spontanen Störungen gehört dazu. Lösungen könnten beispielsweise Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung sein und natürlich eine gemeinsam entwickelte ‚Hausordnung‘.
Wichtig dabei: Dies Regeln für gemeinsames Arbeiten sollen nicht von der Leitung vorgegeben, sondern von den Mitarbeitenden selbst. Auch organisatorische Fragen werden aufkommen. Rückzugsräume wie die Silent Boxes sollen etwa nicht dauerhaft von Einzelpersonen belegt werden. „Es wäre kontraproduktiv, dass sich jemand für zwei Monate eine Box als Einzelbüro reserviert“, sagt Christian Brandt, Leiter der Technischen Dienste am ZMT und einer der Projektkoordinatoren des Neubaus. Stattdessen wird über flexible Buchungssysteme nachgedacht, die eine faire Nutzung ermöglichen.
Parallel dazu entstehen neue Ideen für den Umgang mit persönlichen Arbeitsmaterialien. Da feste Schreibtische wegfallen werden, gewinnen Schließfächer im neuen Gebäude an Bedeutung. Hier können Unterlagen und persönliche Gegenstände verstaut werden. Gleichzeitig stellt sich dabei auch wieder die Frage nach gemeinsamen Regeln: „Was passiert, wenn abends noch alles auf den Tischen liegt? Räumt jemand auf oder wird einfach alles entsorgt?“, fragt Nicolas Dittert. Noch gibt es darauf keine endgültigen Antworten.

Erste Erfahrungen – und ein Blick nach vorn
Dass der eingeschlagene Weg grundsätzlich funktioniert, zeigen erste Rückmeldungen aus der Belegschaft. „Wenn hier jeder arbeiten darf, dann brauche ich mein Einzelbüro gar nicht mehr“, hieß es beispielweise von einem Kollegen, während ein anderer Mitarbeiter Aufbruchsstimmung aufkommen ließ: „Wenn das ein Vorgeschmack auf den Neubau ist, dann lasst uns morgen gleich umziehen.“
Solche Aussagen zeigen die erhoffte Dynamik. Der Raum soll Begeisterung wecken und Menschen dazu bringen, neue Arbeitsformen nicht nur notgedrungen zu akzeptieren, sondern aktiv mitzugestalten. „Diejenigen, die gerne in den neuen Räumen arbeiten, werden zu Multiplikatoren“, beschreibt es Nicolas Dittert. „Über positive Erfahrungen kann sich die neue Arbeitskultur schrittweise verbreiten – auch zu denen, die dem Wandel noch skeptisch gegenüberstehen.“
Gleichzeitig ist klar: „Wir werden es nicht allen recht machen können“, so Stéphane Mehat. Vielmehr solle ein Angebot geschaffen werden, das für die Mehrheit funktioniert und langfristig zeigt, welche Vorteile eine gewisse Flexibilität und gemeinschaftliches Arbeiten bringen können.
Multispace und Silent Boxes sind also mehr als ein Provisorium: Sie stellen einen ersten konkreten Schritt in Richtung Neubau dar. Und vielleicht noch wichtiger: sie zeigen den Weg in eine neue Welt der Zusammenarbeit. Wenn der Umzug schließlich über die Bühne gebracht ist, wird sich vieles bereits vertraut anfühlen. Oder, wie es Nicolas Dittert formuliert: „Man nimmt einfach sein Täschchen und geht rüber – und es ist eigentlich nichts anders als vorher, weil wir schon wissen, was uns erwartet.“
