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Mit Blick auf das Jahr 2035 plädiert Dr. Estradivari dafür, den Erfolg der Meeresforschung nicht allein an wissenschaftlichen Publikationen oder neuen Datensätzen zu messen, sondern an ihrem konkreten Nutzen für Mensch und Natur. | Foto: Jan Meier, ZMT

ZMT-Wissenschaftlerin Dr. Estradivari bringt globale Perspektive in EU-Debatte zur Zukunft der Meeresforschung ein

Wie kann die Meeresforschung bis 2035 noch stärker zum Wohl der Gesellschaft beitragen und die Widerstandsfähigkeit von Küstenregionen fördern? Diese Frage steht im Mittelpunkt der Diskussionsveranstaltung „Horizon 2035 – Advancing Marine Science for Society and the Resilience of Coastal Regions“, die am 2. Juli 2026 in der Vertretung des Landes Niedersachsen bei der Europäischen Union in Brüssel stattfindet.

Zu der Veranstaltung laden die Deutsche Allianz Meeresforschung (DAM) und die Vertretung des Landes Niedersachsen gemeinsam ein. Wissenschaftler:innen, politische Entscheidungsträger:innen sowie weitere Akteur:innen werden darüber diskutieren, wie die europäische Meeresforschung künftig noch wirksamer zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen und zur nachhaltigen Entwicklung von Küstenregionen beitragen kann.

Für das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) nimmt Dr. Estradivari an der Podiumsdiskussion teil. Sie bringt ihre langjährige Erfahrung in der tropischen Meeresforschung sowie im Bereich Meeres-Governance ein und wird insbesondere Erkenntnisse aus ihrer Arbeit im indonesischen Korallendreieck in die Debatte einfließen lassen.

Die von James Morrison (Direktor für „Healthy Planet“ in der Generaldirektion Forschung und Innovation der Europäischen Kommission), moderierte Podiumsdiskussion bringt Expert:innen führender deutscher Meeresforschungseinrichtungen sowie Vertreter öffentlicher Institutionen zusammen.

Neben Dr. Estradivari diskutieren Bronwyn Cahill (Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde), Helmke Hepach (GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel), Sabine Horn (Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung), Katrin Kleemann (Deutsches Schifffahrtsmuseum), Dennis Oberrecht (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz  - NLWKN), Lucas Porz (Helmholtz-Zentrum Hereon) sowie Christian Windt (Technische Universität Braunschweig).

Mit Blick auf das Jahr 2035 plädiert Dr. Estradivari dafür, den Erfolg der Meeresforschung nicht allein an wissenschaftlichen Publikationen oder neuen Datensätzen zu messen, sondern an ihrem konkreten Nutzen für Mensch und Natur.

„Es ist leicht, den Fokus auf immer mehr Daten und Berichte zu legen. Viel wichtiger ist die Frage, was die Menschen in den Küstenregionen bis 2035 tatsächlich von uns als Forschende erwarten: gesündere Korallenriffe und Fischbestände, faire Rahmenbedingungen und echte Mitsprache bei Entscheidungen.“

Für die ZMT-Wissenschaftlerin bedeutet eine Neuausrichtung der Meeresforschung deshalb nicht nur, neue wissenschaftliche Fragestellungen zu entwickeln, sondern auch Forschungsförderung und Zusammenarbeit grundlegend weiterzudenken.

„Erfolg im Jahr 2035 bemisst sich nicht allein daran, wie viel Wissen wir geschaffen haben. Entscheidend ist vielmehr, wie wir Forschung finanzieren, Partnerschaften gestalten und zusammenarbeiten. Initiativen wie der EU Ocean Pact und der geplante Ocean Act sollten Wissenschaft fördern, die gemeinsam mit den betroffenen Küstengemeinschaften entwickelt wird, lokale Gegebenheiten berücksichtigt und messbare Verbesserungen für Mensch und Meer erzielt.“

Zugleich möchte Dr. Estradivari Erfahrungen aus dem Korallendreieck in die europäische Diskussion einbringen und den Wert des internationalen Austauschs hervorheben.

„Der Ozean kennt keine Grenzen. Wenn Ocean Pact und Ocean Act sowohl den Menschen als auch dem Meer dienen sollen, entstehen die besten Lösungen dort, wo Regionen voneinander lernen – nicht dort, wo jede für sich handelt.“

Eröffnet wird der Abend von Melanie Walter, Niedersächsische Ministerin für Europa und Regionale Landesentwicklung. Anschließend sprechen James Morrison sowie Prof. Dr. Torsten Schlurmann (DAM-Vorstand, Ludwig-Franzius-Institut für Wasserbau, Ästuar- und Küsteningenieurwesen der Leibniz Universität Hannover). Schlurmann gehört zudem dem Wissenschaftlichen Beirat des ZMT an.

Die Veranstaltung findet zu einem entscheidenden Zeitpunkt statt: Mit dem neuen EU Ocean Pact, den laufenden Verhandlungen über das nächste Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Union sowie den aktuellen gesellschaftlichen, ökologischen und geopolitischen Herausforderungen werden derzeit wichtige Weichen für die europäische Meeresforschung der kommenden Jahre gestellt.

Die Teilnahme von Dr. Estradivari unterstreicht das Engagement des ZMT, wissenschaftliche Erkenntnisse aus tropischen Küstenregionen in internationale politische Prozesse einzubringen und den Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Küstengemeinschaften weltweit zu stärken.


„Horizon 2035 – Advancing Marine Science for Society and the Resilience of Coastal Regions“

Wann: Donnerstag, 2 July 2026, 18:00 bis 21:00

Wo: Vertretung des Landes Niedersachsen bei der Europäischen Union, Rue Montoyer 61, Brüssel

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion bietet ein Empfang Gelegenheit, die Gespräche fortzusetzen und sich mit den Teilnehmenden auszutauschen.

Weitere Informationen zum Programm sowie zur Anmeldung sind auf der Veranstaltungsseite verfügbar.