ZMT feiert 35 Jahre Forschung für tropische Küstenökosysteme – Vortragsreihe im Bremer Haus der Wissenschaft
Im Jahr 2026 begeht das ZMT sein 35-jähriges Jubiläum – ein Meilenstein, der die lange Tradition und das Engagement des Instituts für den Schutz tropischer Küstenregionen würdigt. Zum Auftakt des Jubiläumsjahres startet eine öffentliche Vortragsreihe im Haus der Wissenschaft Bremen, die sich den vielfältigen Facetten der Meeres- und Küstenforschung widmet.
Im Rahmen der langjährig etablierten Reihe "Wissen um 11" des Hauses der Wissenschaft werden ZMT-Forschende immer am 2. Samstag im Monat über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und Herausforderungen sprechen – von der Anpassung an den Klimawandel, KI-Anwendungen in der Forschung bis hin zu gesellschaftlichen Fragen nachhaltiger Meeresnutzung uvm.
Die ersten Vorträge stehen bereits fest. Sie richten sich an alle, die mehr über die Bedeutung tropischer Meere und die Arbeit des ZMT erfahren möchten.
Kommende Vorträge
9. Mai | 11 Uhr | Haus der Wissenschaft
Nils Moosdorf | Arbeitsgruppe Submariner Grundwasseerabfluss
"Unsichtbare Reserven, wachsende Risiken: Grundwasser im Klimawandel"

Moosdorf ist Hydrogeologe am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen und erforscht die Rolle des Grundwassers im Küstenraum an der Schnittstelle von Land und Meer. Seine Arbeit befasst sich mit der Bedeutung des Grundwassers für Ökosysteme, Stoffkreisläufe und die Wasserversorgung, mit einem besonderen Fokus auf die Tropen, aber auch im globalen Erdsystem. Ein besonderes Anliegen ist ihm, wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich zu vermitteln und ein Bewusstsein für die Komplexität des Erdsystems in den gesellschaftlichen Dialog über einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen einzubringen.
Brunnen in Khozikode, Kerala, Indien | Foto: Nils Moosdorf
Der Vortrag
Grundwasser versorgt uns zuverlässig mit Trinkwasser und ist zugleich eine stille Lebensgrundlage für Flüsse, Moore und andere Ökosysteme — auch in Norddeutschland und in Bremen. Der Vortrag zeigt, wie sich das Grundwasser bei uns in den vergangenen Jahren verändert hat, was der Klimawandel damit zu tun hat und welche Entwicklungen künftig zu erwarten sind. Abschließend richtet sich der Blick auf kleine Inseln in den Tropen, auf denen Grundwasser oft die einzige Süßwasserquelle ist und wo sich Chancen, Grenzen und Möglichkeiten zum Schutz dieser Ressource besonders anschaulich zeigen.
13. Juni | 11 Uhr | Haus der Wissenschaft
PD Dr. Tim Jennerjahn
"Was ist eigentlich ‚Blauer Kohlenstoff‘ ('Blue Carbon') und kann er unser Klima retten?"

Der Biogeochemiker Privatdozent Dr. Tim Jennerjahn forscht seit über 25 Jahren am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen. Er untersucht, wie sich Klimawandel und andere natürliche und menschgemachte Umweltveränderungen auf die Stoffkreisläufe und die Ökologie in tropischen Küstenregionen auswirken.

Mangrovenbäume in Cartagena, Kolumbien | Foto: Tim Jennerjahn
Der Vortrag:
Der vor über einem Jahrzehnt geprägte Begriff 'Blue Carbon' ist auf der Suche nach Lösungen für unser Klimaproblem zu einem Zauberwort des Klimaschutzes geworden. Er hat Küstenökosystemen, die wichtige natürliche Kohlenstoffsenken sind und viel CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen, zu weltweiter Aufmerksamkeit in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft verholfen. Diese Ökosysteme können aber noch viel mehr. In seinem Vortrag wird Tim Jennerjahn vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) erläutern wie diese "Superhelden" der Küsten nicht nur zum Klimaschutz beitragen, sondern auch zu Artenvielfalt, Küstenschutz und dem Lebensunterhalt der dort lebenden Menschen.
11. Juli | 11 Uhr | Haus der Wissenschaft
Prof. Dr. Nils Brüggemann
"Ein Meer aus Zahlen - Wie wir mit Hilfe von Computermodellen den Einfluss des Ozeans auf das Klima erforschen können"

Prof. Dr. Nils Brüggemann ist gelernter Ozeanograph und Ozeanmodellierer. Auf der Basis von physikalischen Gleichungen simuliert er Meeresströmungen am Computer und untersucht spezielle Aspekte der Ozeanturbulenz. Er benutzt dabei Ozeanmodelle an sich, aber auch Ozeanmodelle als eine von mehreren Komponenten eines größeren Erdsystemmodells. Nils Brüggemann forscht am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung daran, diese Ozeanmodelle zu verbessern und zu erweitern, um so ein besseres Verständnis der Rolle des Ozeans für tropische Systeme zu erlangen.
Der Vortrag
In seinem Vortrag zeigt Nils Brüggemann, wie man es schafft, den Ozean mit Hilfe von großen Supercomputern zu simulieren. Er beschreibt, woraus ein sogenanntes Ozeanmodell besteht und wie es sich in noch komplexere Erdsystemmodelle einfügt. Der ZMT-Wissenschaftler demonstriert, wie mit solchen gekoppelten Erdsystemmodellen der Einfluss des Ozeans auf verschiedenste Aspekte des Klimasystems untersucht werden können. Am Beispiel von tropischen Zyklonen zeigt er, welche Rolle der Ozean im Wechselspiel zwischen Ozean, Atmosphäre und Bio-Geochemie spielt. Natürlich gibt es auch heute noch besondere Herausforderungen bei der Entwicklung und Verwendung immer modernerer Modelle – Nils Brüggemann wird hier einen Einblick in die aktuelle Forschung geben und neuartige Lösungsansätze vorstellen.
Vergangene Vorträge
11. April | 11 Uhr | Haus der Wissenschaft
Sebastian Ferse und Annette Breckwoldt
„Wertvolle Verbindungen: Wenn Korallenriffe, Menschen und Wissenschaft zusammenwirken”

Dr. Annette Breckwoldt ist interdisziplinäre Meereswissenschaftlerin und leitet die Arbeitsgruppe "Transformation durch Transdisziplinarität" am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT). In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit Fragen wie lokales Wissen zur nachhaltigen Nutzung und zum Schutz von Meeresressourcen und Küstenökosysteme beitragen kann, vor allem auf Inseln im Südpazifik. Sie studierte Meeresbiologie in Bremen, England, auf Hawaii und Fidschi.

Dr. habil. Sebastian Ferse ist Korallenriffexperte und Senior Scientist am Leibniz Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen. Seit April 2024 ist er für mehrere Jahre als DAAD-Langzeitdozent der Meereswissenschaften an der IPB-Universität in Bogor, Indonesien tätig. Sebastian Ferse hat in Göttingen, Santa Barbara (USA) und Bremen studiert und über Korallenriffrestauration in Indonesien promoviert. Er arbeitet interdisziplinär zu den Themen Ökologie, Schutz und menschliche Nutzung von Korallenriffen, und hat in Ostafrika, dem Südpazifik und seit über 20 Jahren in Indonesien geforscht.

Die Insel Maskelyne in Vanuatu | Foto: Christopher Malili
Der Vortrag
Anhand von tropischen Küstenökosystemen wird in dem Vortrag die Rolle verschiedener Arten von Verbindungen betrachtet. Tropische Küstenökosysteme wie Korallenriffe, Seegraswiesen und Mangroven bilden die Verbindung zwischen Land und Meer, zwischen Küsten und der offenen See. Sie beherbergen komplexe und artenreiche Lebensgemeinschaften und bieten wertvolle Ökosystemdienstleistungen für Millionen von Menschen.
Diese Ökosystemfunktionen und -dienstleistungen werden durch das Zusammenspiel der verschiedenen Küstensysteme und der sie bewohnenden Arten verstärkt und zum Teil erst ermöglicht. Zu ihrem Schutz und besseren Verständnis bedarf es nicht nur inter- und transdisziplinärer Forschungsansätze, sondern auch der Kooperation zwischen Forschenden über Landesgrenzen und Kontinente hinweg. Der Vortrag stellt verschiedene Forschungsarbeiten des ZMT sowie Beispiele aus Südostasien und dem Südpazifik vor.
Eines davon ist das Forschungsprojekt 'Ein Meer von Verbindungen', in dem Riffpassagen als soziale und ökologische Schlüsselorte in Fidschi und Neukaledonien untersucht werden. Dabei arbeiten die ZMT-Forschenden eng mit Kolleg:innen vor Ort und der lokalen Bevölkerung zusammen. Riffpassagen sind natürliche Durchbrüche und Kommunikationszonen und verbinden die Küstengewässer mit dem offenen Ozean. Sie sind als Hotspots der biologischen Vielfalt und Produktivität von vielfältiger Bedeutung - für die Gesundheit der Inselbevölkerung als auch der Korallenriffe. Ziel des Projektes ist es, lokales und wissenschaftliches Wissen gemeinsam mit lokalen Akteur:innen zu erarbeiten und für nachhaltige Zukunftsstrategien zum Schutz dieser besonderen Küstensysteme nutzbar zu machen.
14. März | 11 Uhr | Haus der Wissenschaft
Nora Leonie Rust | Arbeitsgruppe Institutionen und Verhaltensökonomie
„Vom Riff ins Wohnzimmer: Wege zu einem fairen und nachhaltigen Zierfischhandel“

Am Samstag, den 14.03. um 11 Uhr, hält Nora Leonie Rust den Vortrag "Vom Riff ins Wohnzimmer: Wege zu einem fairen und nachhaltigen Zierfischhandel“ bei Wissen um 11. Nora Leonie Rust studierte Marine Umweltwissenschaften in Oldenburg. Am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen arbeitet sie derzeit in der Arbeitsgruppe „Institutionen und Verhaltensökonomie“ an ihrer Doktorarbeit über den Zierfischhandel in Indonesien.

Der Vortrag
Aquarien faszinieren Menschen – doch die wenigsten wissen, woher die bunten Meeresbewohner in den Becken eigentlich stammen und dass der Zierfischhandel mit Problemen und Unsicherheiten verbunden ist. In diesem Vortrag wirft ZMT-Doktorandin Leonie Rust einen Blick hinter die Kulissen des globalen Handels mit Aquarienfischen: Welche Auswirkungen hat ihr Fang auf Riffe? Welche Rolle spielen die Menschen an den Küsten, die von diesem Handel leben? Und wie kann der Handel so gestaltet werden, dass er sowohl Natur als auch Mensch zugutekommt?
Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Indonesien, einem der größten Exporteure für Zierfische weltweit. Hier treffen viele Akteure mit unterschiedlichen Interessen, Werten und Zielen aufeinander – aber auch mit gemeinsamer Verantwortung. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Steuerungsinstrumente im Zierfischhandel, von nationalen Regelungen und Gesetzen bis hin zu lokalen Praktiken und informellen Absprachen, tatsächlich funktionieren und weshalb andere keinen Erfolg haben. Zudem wird untersucht, welche Maßnahmen so gestaltet sind, dass sie den spezifischen Eigenschaften von Wildfang und Zucht entsprechen und wie Menschen vor Ort stärker einbezogen werden können, damit Lösungen nicht nur auf dem Papier gut aussehen, sondern im Alltag bestehen.
14. Februar 2026 | 11 Uhr | Haus der Wissenschaft
Leonie Dziomba | Programmbreich 5 - Geslleschaftlicher Wandel
„(Fast)Unsichtbar, aber unverzichtbar: Über Plankton lernen – gemeinsam und über Disziplinen hinweg“
Am Samstag, den 14.02. um 11 Uhr, hält Leonie Dziomba den Vortrag „(Fast)Unsichtbar, aber unverzichtbar: Über Plankton lernen – gemeinsam und über Disziplinen hinweg“ bei Wissen um 11. Leonie Dziomba ist Kognitionswissenschaftlerin und promoviert in einer transdisziplinären Arbeitsgruppe am Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) zur Wissensvermittlung in den Meereswissenschaften. In ihrer Dissertation untersucht sie anhand des Themas Plankton, wie sich Interaktionen zwischen Wissenschaft und gesellschaftlichen Akteuren durch technologische Vermittlungsprozesse und gemeinsame Referenzobjekte gestalten lassen – und welchen Einfluss dies auf kollektive Lern- und Erkenntnisprozesse hat.

Der Vortrag
Marines Plankton bildet die Grundlage des Nahrungsnetzes in den Meeren und Ozeanen und ist unverzichtbar für das Leben auf der Erde: Es nimmt große Mengen CO₂ auf und produziert Sauerstoff – ein fast unsichtbarer „Player“ im Klimasystem. Damit Plankton bei der Erfüllung dieser Funktionen besser vom Menschen unterstützt werden kann, braucht es ein besseres Verständnis seiner Vielfalt sowie ein umfassendes marines Biodiversitätsmonitoring. Doch den Ozean zu erforschen ist teuer und schwierig. Die wichtige Rolle des Planktons beim Kampf gegen den Klimawandel und in den Ozeanen bleibt für die Öffentlichkeit oft wenig greifbar und schwer zu vermitteln.
Wie also kann es dennoch gelingen, Menschen auch außerhalb der Biologie für die Bedeutung marinen Planktons zu sensibilisieren und zum Mitforschen anzuregen? Die Vortragende stellt ihre Interviewstudie vor, in der sie Vertreter:innen aus Forschung, Politik und Bildung befragt, was es für gute Zusammenarbeit im Meeresschutz braucht und wie niedrigschwellige Monitoring-Technologien und künstliche Intelligenz dabei helfen können, Forschungslücken zu schließen und Teilhabe zu schaffen.
10. Januar 2026 | 11 Uhr | Haus der Wissenschaft
Dr. Daniel Schürholz | Leiter Arbeitsgruppe Data Science und Technologie
„Den (Mangroven) Wald vor lauter Bäumen nicht sehen ... mit KI“

Am Samstag, den 10. Januar 2026 um 11 Uhr hält Dr. Daniel Schürholz einen Vortrag mit dem Titel „Den (Mangroven) Wald vor lauter Bäumen nicht sehen ... mit KI“. Als Datenwissenschaftler leitet er die Arbeitsgruppe Data Science und Technologie am ZMT und beschäftigt sich in seiner Forschung mit KI-Modellen zur Kartierung von Küstenökosystemen wie Korallenriffen und Mangrovenwäldern. Daniel Schürholz ist ausgebildeter Informatiker und arbeitet an der Anwendung von Sensortechniken und KI-Modellen zur Kartierung und Überwachung von Küstenökosystemen.

Der Vortrag
Stellen Sie sich vor, Sie müssten sich bei über 30°C und 100% Luftfeuchtigkeit durch dicken Schlamm und ein Gewirr aus Mangrovenwurzeln kämpfen, während Tausende von Mücken in Ihre Ohren summen, nur um am Ende des Tages verschiedene Bäume gezählt und bestimmt zu haben. Klingt anstrengend? Warum das nicht der KI überlassen, die diese Arbeit in wenigen Minuten erledigt? Genau daran forscht Daniel Schürholz und erleichtert damit nicht nur den Arbeitsalltag von Forschenden, sondern auch das Monitoring von Mangrovenwälder, die vielerorts bedroht sind.
Dieser Vortrag wird als Präsenzveranstaltung stattfinden. Zusätzlich wird der Vortrag aufgenommen und auf unserem YouTube-Kanal abrufbar sein.


